Nach RTL-Beitrag Tierquälerei? Verfahren gegen Beerbaum eingestellt – PETA gibt aber nicht auf

Ludger Beerbaum am 29. Juni 2022 beim CHIO in Aachen in Aktion auf Pferd Mila.

Hat Ludger Beerbaum im Training seine Pferde quälen lassen? Ein Ermittlungsverfahren wurde jetzt eingestellt, Tierschützer geben aber nicht auf.

Aufatmen im Beerbaum-Stall, Wut bei den Tierschützern! Die Staatsanwaltschaft Münster hat das Ermittlungsverfahren gegen den viermaligen Olympiasieger Ludger Beerbaum (59) nach den Vorwürfen wegen unerlaubter Trainingsmethoden mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.

Wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag (20. September 2022) mitteilte, sei nicht nachzuweisen, „dass dem betroffenen Pferd durch den Kontakt mit der Stange [...] ‚erhebliche‘ Schmerzen oder Leiden zugefügt worden sind“.

Ludger Beerbaum erleichtert nach Einstellung des Verfahrens

Beerbaum reagierte erleichtert: „Die Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft ist eine Bestätigung für mich. Damit ist jetzt auch bewiesen, dass die Vorwürfe im RTL-Beitrag gegen mich und meinen Stall nicht zutreffend sind. Jetzt hoffe ich, dass die Disziplinarkommission der Deutschen Reiterlichen Vereinigung ebenso zu einer zeitnahen Entscheidung kommt.“

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Der TV-Sender RTL hatte die Angelegenheit mit heimlich auf dem Hof von Beerbaum in Riesenbeck gedrehten Videos ins Rollen gebracht. Im Kern ging es um die Frage, ob es sich bei den festgehaltenen Vorgängen um Touchieren oder Barren handelt. Touchieren ist nach den Statuten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN erlaubt – das Barren, also das Schlagen mit einer Stange an die Vorderhufe des Pferdes, hingegen nicht.

Die Tierrechtsorganisation PETA hatte daraufhin Strafanzeige erstattet – und zeigte sich nach der Urteilsverkündung enttäuscht. „Die Einstellung des Ermittlungsverfahrens ist für uns nicht nachvollziehbar“, sagte Peter Höffken, Fachreferent bei PETA, am Dienstag.

Die ausgestrahlten Filmaufnahmen hätten gezeigt, wie absichtlich eine Holzstange gegen die Beine des Pferdes geschlagen worden seien, sodass ein dumpfes Schlaggeräusch zu hören gewesen sei. „Das Tier musste nach unserer Einschätzung erhebliche Schmerzen ertragen, nur damit Ludger Beerbaum in Wettbewerben besser abschneidet“, so Höffken.

Vorbehaltlich der Prüfung der Begründung im Einstellungsbescheid, der der Tierrechtsorganisation noch nicht vorliege, werde PETA „eine Beschwerde bei der Generalstaatsanwaltschaft einreichen, um eine Wiederaufnahme des Ermittlungsverfahrens zu erreichen“, erklärte Höffken.

Beerbaum, der seine letzte Medaille bei Olympia 2016 mit Team-Bronze gewann, hatte die Anschuldigungen stets zurückgewiesen und seinerseits juristische Schritte eingeleitet. Er betonte, dass auf den Filmaufnahmen kein strafrechtlich relevantes Verhalten zu erkennen sei. So hätten die „touchierten“ Tiere keine Schmerzerscheinungen oder Verhaltensauffälligkeiten gezeigt.

Zudem würden in seinem Betrieb nur die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung anerkannten Trainingsmethoden eingesetzt. Auf den versteckt gefertigten RTL-Filmaufnahmen war unter anderem eine Sequenz zu sehen, in der ein hinter einem Hindernis knieender Mann beim Absprung eines Pferdes eine lange Latte in Höhe der Vorderbeine hochreißt.

Das zuständige Veterinäramt hatte Anfang Januar nach Bekanntwerden der Vorwürfe Beerbaums Hof aufgesucht und keine Verstöße oder klinische Auffälligkeiten bei den Pferden dokumentiert. (sid)