Das steckt dahinter Disney streicht Trickfilmklassiker und hat wichtige Botschaft

Im „Dschungelbuch“ sprechen die Affen einen Slang, der mit afroamerikanischen Jazzsängern assoziiert wird, dem Jive. In der Filmszene zieht Balu der Bär eine Bananenpflanze nach unten, damit sich das Menschenkind Mogli eine Frucht pflücken kann.

Köln – Sie zählen zu den Klassikern der Kino-Industrie. Fast jeder hat sie mindestens einmal gesehen – die Abenteuer von Dumbo, Peter Pan, Dschungelbuch, Aristocats und Co.. Wer aktuell auf dem Streamingportal Disney+ nach den Trickfilmklassikern sucht, wird aber enttäuscht. Denn Disney hat die eigenen Filme aus dem Angebot gestrichen. Der Grund: Rassismus.

  • Disney streicht Trickfilmklassiker aus dem Streaming-Angebot für Kinder
  • Konzern stellt sich der Rassismus-Debatte
  • Mit einen Trick lassen sich die Filme dennoch gucken

Der Disney-Konzern bemüht sich, wie zahlreiche andere Medienkonzerne auch, den aktuellen symbolpolitischen Anforderungen anzupassen. Denn seit sie das erste Mal in den Kinos gespielt wurden, sind viele Jahrzehnte vergangen. Seitdem hat sich vieles verändert, auch unser Blick auf andere Kulturen.

Mit ihrem Umzug von den alten, staubigen VHS-Kassetten auf die neue Streaming-Plattform „Disney+“ verändert sich deshalb auch für die Klassiker so einiges. Stereotype, wie sie früher an der Tagesordnung waren, soll es nicht mehr geben. Dazu hat Disney eigens eine Website aufgesetzt. Auf „Stories Matter“ setzt sich der Konzern mit der Darstellungsweise in seinen Filme auseinander. Dazu zählen unter anderem:

  • Peter Pan
  • Aristocats
  • Dumbo
  • Susi und Strolch
  • Das Dschungelbuch

Bereits seit dem vergangenem Jahr macht der Unterhaltungs-Gigant Disney mit seinem eigenen Online-Angebot Jagd auf Netflix, Amazon und Co. Neben exklusiven Serien wie „The Mandalorian“ sollen auch die alten Filmklassiker ein Verkaufsargument sein.

Doch im Zuge der aktuellen Rassismus-Debatte hat auch der Micky-Maus-Konzern seine alten Filme einer kritischen Prüfung unterzogen.

Disney streicht Filmklassiker aus dem Kinderangebot

Mit dem Ergebnis, dass manche Klassikern im Kinder-Modus nicht mehr gestreamt werden können. Ganz verzichten muss man natürlich nicht. Aussortiert wurden die Filme nämlich nur aus dem Kinderchannel. Über das Erwachsenenprofil können sie weiter abgerufen werden.

Dort bekommt man zuvor aber einen ausführlichen Warnhinweis zu lesen, der auf rassistische Stereotype und ihre negativen Auswirkungen aufmerksam machen soll.

Anstatt diese Darstellungen und Passagen in den alten Filmen zu ändern oder gar zu löschen, wolle man diese im Programm behalten und zu einem „Dialog“ anregen, wie es im vergangenen Jahr bereits in einer Mitteilung hieß. „Wir können die Vergangenheit nicht ändern, aber wir können sie anerkennen und daraus lernen“, so Disney.

Hinweis vor Disney-Filmen warnt vor „schädlicher Wirkung”

Nachdem eine Gruppe von Experten das Angebot geprüft hatte, habe man sich deshalb für den Warnhinweis vor den jeweiligen Filmen entschieden. Dieser lautet:

„Dieses Programm beinhaltet negative Darstellungen und/oder Misshandlung von Menschen oder Kulturen. Diese Stereotype waren damals falsch und sind heute falsch. Anstatt diese Inhalte zu entfernen, wollen wir ihre schädliche Wirkung anerkennen, aus ihnen lernen und Gespräche anregen, um eine stärker integrative, gemeinsame Zukunft zu schaffen.“

Disney hat vielen seiner Klassiker einen Warnhinweis verpasst, auch bei „Peter Pan”. Dort werden die Indianer auf diskriminierende Weise dargestellt, erklärt das Unternehmen.

Als Beispiel nannte Disney seinen beliebten Klassiker „Aristocats“ (1970). Dort ist etwa eine „chinesische“ Katze zu sehen mit schrägstehenden, schmalen Augen und langen Zähnen. In einer Szene spielt ein Siamkater namens Shun Gon mit Essstäbchen Klavier und singt – synchronisiert wurde sie von einem weißen Schauspieler, der einen asiatischen Akzent nachahme. Ein stereotypes Bild asiatischer Menschen als „ewiger Ausländer“ und damit eine Diskriminierung.

Peter Pan auf Disney Plus: Stereotype Darstellungen amerikanischer Ureinwohner

Zudem werde auch die chinesische Sprache und Kultur verspottet. In der deutschen Fassung heißt es in dem Lied „Katzen brauchen furchtbar viel Musik“ beispielsweise: „Shanghai, Hongkong und Chop Suey. Zwei, drei, vier und raus bist du.“

Disney führt weitere Beispiele an: „Peter Pan“ (1953) enthalte demnach stereotype Darstellungen amerikanischer Ureinwohner, die im Film „Rothäute“ genannt werden, ein „beleidigender Begriff“. Diese würden verhöhnt, auch durch die dargestellte Kleidung und kaum verständliche Sprache.

Disney: Negative Darstellungen auch bei „Dumbo”

Bei „Dumbo“ (1941) steht eine Szene symbolisch für die Rassentrennung zwischen Schwarzen und Weißen in den USA. Eine Gruppe von Krähen sitzt auf einem Ast, eine von ihnen heißt „Jim Cow“ und spricht in schwarzem Akzent, ebenso wie die anderen. Dies spreche auf bestimmte musikalische Auftritte an, bei denen weiße Männer ihre Gesichter schwarz anmalten und sich mit Lumpen kleideten, um sich über Afroamerikaner lustig zu machen. Sie verspotteten Sklaven auf den Plantagen der Südstaaten mit beleidigenden Texten.

Disney Plus: Auch „Dschungelbuch” und „Susi und Strolch” bekommen Warnhinweis

Auch Realfilme bekommen laut Disney den Warnhinweis, beispielsweise „Dschungel der 1000 Gefahren“ (1960): Hier werden Piraten als „ausländische Bedrohung“ dargestellt, wie Disney erklärt. Sie erscheinen mit „gelbem Gesicht“ oder „braunem Gesicht“ als barbarische Eindringlinge aus Asien oder dem Fernen Osten.

Weitere Filme, die Disney mit dem Hinweis versieht, sind etwa „Das Dschungelbuch“ (1967) sowie „Susi und Strolchi“ (1955). Im „Dschungelbuch“ sprechen die Affen einen Slang, der mit afroamerikanischen Jazzsängern assoziiert wird, dem Jive. Bei „Susi und Stroch“ spielen bösartige Siamkatzen mit schmalen Augen und gebrochenem Englisch eine wichtige Nebenrolle.

Zu den Experten, welche die Klassiker unter modernen Gesichtspunkten bewerteten, zählt unter anderem die African American Filmcritics Association (AAFCA), die Vielfalt und Inklusion in der Film- und Fernsehbranche fördert sowie die Coalition of Asian Pacifics in Entertainment (CAPE), die sich ebenfalls für einen systemischen Wandel in Hollywood in puncto Diversität einsetzt. (mg)