Schweinefleisch in NRW Schockierende Fotos und Videos aufgetaucht – jetzt äußert sich Westfleisch

Das Symbolfoto vom 11. Mai 2020 zeigt den Eingang zu einem Westfleisch-Betrieb. Zulieferer des Unternehmens sollen Tierschutzvorgaben nicht beachtet haben. Das Deutsche Tierschutzbüro hat entsprechendes Bild- und Videomaterial veröffentlicht.

Das Deutsche Tierschutzbüro hat heftiges Bild- und Videomaterial veröffentlicht. Es zeigt Schweine, die in Westfleisch-Zulieferbetrieben gequält werden.

Es sind erschreckende Video- und Fotoaufnahmen, die dem Deutschen Tierschutzbüro vorliegen.

Es geht um sieben Westfleisch-Zulieferbetriebe, in denen Schweine gequält, teilweise auch von den Mitarbeitenden misshandelt worden sein sollen, heißt es in einer Erklärung der Tierschutzorganisation, die am Mittwoch (21. September 2022) veröffentlicht wurde.

Tierquälerei bei Westfleisch? Unternehmen beliefert auch Discounter

Betroffen sind demnach Betriebe in sieben Kreisen, sechs davon in NRW, einer in Niedersachsen.

Bei Westfleisch handelt es sich um einen der größten Fleischproduzenten in Deutschland mit eigenen Schlachthöfen. Der Fleischkonzern beliefert alle bekannten Discounter und Supermarktketten.

Die Bildaufnahmen seien in den vergangenen Monaten entstanden und dem Deutschen Tierschutzbüro zugespielt worden.

Sie zeigen in allen Mastbetrieben katastrophale Zustände und eklatante Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Auf dem Bildmaterial sind zum Teil schwerverletzte Tiere zu sehen, die offenbar nicht tierärztlich behandelt werden.

In einem Betrieb haben versteckte Kameras gefilmt, wie hilfsbedürftige Tiere sich selbst überlassen wurden. Auch zeigen die Aufnahmen blutig gebissene Schwänze und Ohren. „Es ist regelrecht ein Horrorstall, die Tiere leiden massiv und der Betreiber kümmert sich einfach nicht um die Tiere“, kritisiert Jan Peifer, Vorstandsvorsitzender vom Deutschen Tierschutzbüro.

Vorwurf: Schweine mit Elektroschockern regelrecht misshandelt

Einer der Hauptvorwürfe: Die Schweine sollen beim Abtransport zum Westfleisch-Schlachthof mit Elektroschockern regelrecht misshandelt worden sein. „Der massive Einsatz des E-Schockers ist aus guten Grund gesetzlich verboten, doch in diesem Betrieb gehört das offenbar zum Alltag“, so Peifer.

In einem Westfleisch-Zulieferbetrieb sei der Elektroschocker bei der Verladung der Tiere ständig im Einsatz, teilweise sogar am Kopf der Tiere, heißt es. „Es geht offenbar nur darum, dass die Schweine schneller auf den Westfleisch-Transporter getrieben werden, der Schutz der Tiere spielt dabei überhaupt keine Rolle“, sagt Peifer.

Schweine mit blutig gebissenen Ohren und blutigen Striemen

Einige der Tiere hätten blutige Striemen und Katzer auf der Haut oder blutig gebissene Ohren. In einer Bucht müssten die Schweine in ihrem eigenen Kot leben, es sei offenbar die Krankenbucht. „Die hygienischen Zustände sind miserabel, hier kann kein Tier gesund werden“, sagt Peifer.

In einem Betrieb wurden laut Tierschutzbüro bereits 2017 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz festgestellt. Damals litten die Tiere demnach an schmerzhaften Augenentzündungen, vermutlich hervorgerufen durch den Ammoniakgehalt in der Stallluft. Damals stellte diese Verstöße eine Tierrechtsorganisation sowie das zuständige Veterinäramt fest.

Doch bis heute scheint sich daran nichts geändert zu haben. Denn auch aktuelle Aufnahmen zeigen, dass die Tiere fünf Jahre später offenbar immer noch an den gleichen Problemen leiden. 

Manche Schweine können nicht mehr auftreten

Aus einem weiteren Schweinemastbetrieb in NRW, der schon länger Schweine an Westfleisch liefert, gibt es Videoaufnahmen, die Tiere zeigen, die an offenen, eitrigen Wunden leiden. Manche Schweine können nicht mehr auftreten. „In einem Zwischengang befindet sich ein Schwein, das schwer verletzt ist und dringend tierärztliche Hilfe braucht. Es ist zwar separiert, allerdings ohne ausreichend Futter und Wasser“, kritisiert Peifer.

Obwohl dies verboten ist, sei es dennoch Praxis in vielen Schweinemastbetrieben. Diese Zustände seien in dem Betrieb kein Einzelfall.

Verletzte, kranke und tote Schweine – heftige Bildaufnahmen

Auch die Bildaufnahmen aus den weiteren Westfleisch-Zulieferbetrieben sind heftig. Auch hier seien verletzte, kranke und tote Tiere vorgefunden und dokumentiert worden. Dabei sei die Liste der Vorwürfe sehr lang.

In allen sieben Fällen wurde das zuständige Veterinäramt direkt informiert. Nach umfangreicher Sichtung des Videomaterials und juristischer Aufarbeitung wurde dann gegen alle Betriebe Strafanzeige bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erstattet. „Uns ist es sehr wichtig, dass die Behörden zuerst und schnell informiert werden, damit sie der Tierquälerei nachgehen können. Aus diesem Grund informieren wir die Öffentlichkeit erst jetzt“, sagt Peifer.

Tierquälerei: Das sagt Westfleisch zu den heftigen Vorwürfen

EXPRESS.de konfrontierte Westfleisch mit den Vorwürfen. „Die Aufnahmen machen auch uns betroffen. Denn für uns steht das Wohlergehen der gehaltenen Tiere immer an erster Stelle. Unsere Zulieferbetriebe werden auf verschiedene Weise regelmäßig überprüft – unter anderem in Form von unangekündigten Spot-Audits durch QS. Wer dabei durchfällt und sein QS-Siegel verliert, scheidet als Westfleisch-Zulieferer automatisch aus“, erklärt das Unternehmen.

Weiter heißt es: „Entsprechend nehmen wir auch die Vorwürfe gegen die einzelnen Tierhalter sehr ernst und gehen ihnen mit aller Entschiedenheit nach. Unsere Mitarbeitenden haben direkt Kontakt mit den betroffenen Landwirten, mit den amtlichen Veterinären sowie der QS GmbH Qualität und Sicherheit aufgenommen.“

Westfleisch: Kündigung der Lieferverträge nicht ausgeschlossen

Die Veterinärämter würden die betroffenen Betriebe nach unserer Kenntnis engmaschig kontrollieren. „Informationen zu einer amtlichen Sperre liegen uns nicht vor“, heißt es in einer Stellungnahme von Westfleisch. Weiterhin seien alle Betriebe nach Durchführung eines QS-Sonderaudits in den vergangenen Tagen lieferberechtigt.

„Bis zur endgültigen Klärung aller Vorwürfe behalten wir uns sanktionierende Maßnahmen bis hin zur Kündigung der Lieferverträge vor“, teilt das Unternehmen mit.

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Westfleisch ist einer der größten Schweineschlachter in Deutschland und schlachtet pro Jahr etwa acht Millionen Schweine und macht damit einen Milliardenumsatz.

Auf der Website wirbt die Firma mit Fleisch „direkt von Bauern“, Regionalität, hohen Tierschutzstandards und kurzen Transportwegen. Der Tierschutz steht angeblich im „Fokus“. „Die uns zugespielten Bilder zeigen auf, dass die Realität eine andere ist, es wurden schwere Verstöße gegen Gesetze und Straftaten dokumentiert“, so Peifer. (mt)