„Am Krankenhaus abgewiesen“ Corona-Patient aus Bad Honnef schildert Unglaubliches

Viele Krankenhäuser, wie hier in Karlsruhe, sind gut auf mögliche Coronapatienten vorbereitet. Hier werden alle Menschen mit Fieber und grippeähnlichen Symptomen zur Vorsicht in einem separaten Zelt empfangen.

Bad Honnef – Die Lage spitzt sich weiter zu – auch in Bonn und Umgebung greift das Coronavirus immer mehr um sich. Fast stündlich steigen die Zahlen der Infizierten.

An der Bonner Uni wurden die Prüfungen abgesagt, das Sommersemester verschoben (hier lesen Sie mehr). Aber wie geht es weiter, wenn man befürchtet, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben?

Wir haben mit einem Betroffenen gesprochen. Manuel (*Name von der Redaktion geändert) sitzt inzwischen zu Hause in Quarantäne. Angefangen hat alles vor einer Woche.

Bad Honnef: Infizierter spricht über Umgang mit Coronavirus

Die Symptome haben ihn alarmiert. Starke Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Husten und Fieber. Da er in seinem Job jeden Tag Kontakt zu Hunderten Kunden hat, war er beunruhigt.

Er erzählt: „Daraufhin ging ich für eine Diagnose bzw. ärztliche Behandlung ins Krankenhaus.“ Aufklärung bekam er jedoch nicht. An der Pforte sei er abgewiesen und an seinen Hausarzt verwiesen worden, sagt er.

Also blieb ihm nichts anders übrig, als am nächsten Morgen seinen Hausarzt aufzusuchen. „Dieser diagnostizierte mir eine Bronchitis und einen Virusinfekt. Auf meine Frage nach dem Corona ging der Arzt gar nicht ein.“ Für den 18-Jährigen nicht zu glauben. „Es ist schrecklich wie Deutschland mit dem Coronavirus umgeht.“

Also blieb ihm aus seiner Sicht nur eine Möglichkeit. „Am nächsten Tag nahm ich die Sache selbst zur Hand und ging in die Uniklinik. Dort ließ ich mich nach langer Diskussion und auf meine Kosten auf Corona testen“, erzählt er. 128,23 Euro legte er dafür hin.

Bad Honnef: Infizierter erst drei Tage nach Symptomen in Quarantäne

Einen Tag später – also insgesamt drei Tage nach dem ersten Auftreten der Symptome, in denen sich Manuel frei bewegt hat – bekam er das Ergebnis. Positiv.

Manuel: „Sofort kontaktierte ich meinen Arbeitgeber und weitere Stellen und wartete drei Stunden auf den Anruf des Gesundheitsamtes. Ich sollte von diesem über den weiteren Verlauf aufgeklärt werden. Aber der Anruf kam nicht.“ Dann rief er selbst dort an.

„Im Laufe des Gesprächs wurde mir nur gesagt, dass ich die Notrufleitungen nicht blockieren solle, die nächsten 14 Tage in häuslicher Quarantäne mit meiner Familie verbringen und eine Liste mit allen Personen mit denen ich Kontakt hatte erstellen soll. Meine Antwort, dass ich mit Hunderten von Menschen Kontakt hatte, wurde nur belächelt“, berichtet er fassungslos.

Bei seinem Arbeitgeber habe man hingegen schnell gehandelt und auch alle Kollegen, die mit ihm zusammen arbeiteten in Quarantäne geschickt.

Corona-Patient aus Bad Honnef: Post vom Ordnungsamt macht ihn traurig

Zwei Tage später bekam der 18-Jährige schließlich Post vom Ordnungsamt. Eine Sache macht ihn dabei besonders traurig: „In dem Schreiben wird mir mit bis zu zwei Jahren Haft und 1000 Euro Bußgeld gedroht. Und auf sieben Seiten hat man nicht einmal die zwei Worte ‚Gute Besserung‘ schreiben können.“

Bis zum Wochenende verschlechterte sich sein Zustand weiter. Manuel hoffte auf medizinische Hilfe, doch die Reaktion enttäuschte ihn abermals. Er erzählt: „Mir wurde gesagt, dass ich nicht die Leitungen des Notrufs blockieren solle, sondern die 116117 anrufen soll. Dort wartete ich ca. zwei Stunden in der Warteschleife und gab dies dann auf und versorgte mich dann selber mit Schmerzmittel und Tee...“

Hier sehen Sie auf einen Blick alle Infos zum Coronavirus in NRW

Als wir jetzt per Telefon mit ihm sprechen, geht es ihm schon wieder besser. „Den Umständen entsprechend gerade sehr gut. Ein Tee hilft da schon. Ich habe zum Glück keine Vorerkrankungen oder Allergien“, sagt er.

Bad Honnef: 18-Jähriger muss mit Coronainfektion in Wohnung bleiben

In den nächsten Tagen muss er dennoch weiterhin in seiner Wohnung bleiben. Nicht einmal auf die Terrasse darf er. „Ich versuche irgendwie den Tag zu überbrücken, gucke Netflix. Man überlegt plötzlich Dinge, die man sonst nie überlegen würde. Zum Beispiel einfach mal das Zimmer umzuräumen.“

Dieser Zustand wird noch mindestens zehn Tage anhalten. Erst, wenn er im Abstand von 24 Stunden zwei negative Corona-Tests vorweisen kann, darf er seine Wohnung wieder verlassen.

Corona-Patient in Bad Honnef: Das sagt der Kreis

EXPRESS hakte beim Rhein-Sieg-Kreis nach. In Sachen Hausarzt oder Bonner Uni-Klinik kann Kreissprecherin Rita Lorenz keine Auskunft geben, erklärt aber, was es mit den angedrohten 1000 Euro Strafe auf sich hat.

„Der positiv Getestete hat eine Ordnungsverfügung erhalten und diese beinhaltet ein Zwangsgeld bei Zuwiderhandlungen. Er benötigt sie ja auch als Vorlage bei seinem Arbeitgeber“, so die Sprecherin. Ansonsten betont Lorenz, dass man der Pflicht nachgekommen ist, die Kontaktpersonen der positiv getesteten Person zu ermitteln.