Morddrohung und Hakenkreuze Kölner OB Reker unterstützt schwules Paar aus Weidenpesch

Manuel (l.) und sein Mann Danny mit dem Drohbrief, der im ganzen Haus verteilt wurde.

Köln – Seit elf Jahren sind sie ein Paar, seit letztem Jahr auch verheiratet. Das hat sich in ihrer Nachbarschaft in Weidenpesch herumgesprochen. Seitdem gehen Manuel (36) und Danny (30) durch die Hölle. Denn sie werden ausgerechnet in der Hauptstadt der Schwulen und Lesben für ihre gleichgeschlechtliche Beziehung beleidigt, mit Mord bedroht und geschlagen. Inzwischen trauen sie sich nicht einmal mehr bis zum Müllcontainer.

Schwules Paar aus Köln: Halten das einfach nicht mehr aus

Als EXPRESS-Reporter Oliver Meyer das Paar im Kölner Norden wegen eines Interviews besucht, liegt Danny weinend in seinem Schlafzimmer: „Ich kann nicht mehr, ich halte das einfach nicht mehr aus”, schluchzt er immer wieder. Er ist in der Tat mit den Nerven völlig am Ende. Er und Manuel haben nur einen Wunsch: „Nur weg hier. Der Terror muss für uns endlich ein Ende haben.“

Schwules Paar aus Köln: Nach der Hochzeit begann der Terror

Auf der Klingel und im Treppenflur sind Hakenkreuze hinterlassen.

Vor rund einem halben Jahr begann alles. Als das Paar aus Island von der Hochzeitsreise zurückkam, entdeckte es plötzlich ein Hakenkreuz am Badezimmerfenster. „Tage später wurden wir an der Bushaltestelle von jungen Männer, die sich dort abends aufhalten, als Schwuchteln beschimpft“, erzählt Manuel. Fortan waren sie Ziel der Gruppe.

Dabei soll es sich nicht um Rechtsradikale handeln. „Wir kennen die Täter vom sehen. Sie wohnen in der Nachbarschaft und haben türkische Wurzeln. Wir wurden von ihnen bespuckt und schließlich auch getreten und geschlagen, wenn wir an der Bushaltestelle vorbei liefen.”

Und es wurde noch schlimmer: „Ich wurde mit einem Ziegelstein beworfen. Meinem Mann schlugen sie vor wenigen Tagen einen Stuhl in den Rücken, als er aus der Haustür kam. Man merkt, dass die Täter immer mehr Gewalt anwenden, um uns fertig zu machen.“

Schwules Paar: Jetzt ermittelt der Staatsschutz der Polizei

Auch die Wohnungstüre wurde mit einem Hakenkreuz beschmiert.

Auch auf ihrer Klingel wurde ein Hakenkreuz hinterlassen. So richtig übel wurde es dann, als im ganzen Haus ein Drohbrief in alle Briefkästen geworfen wurde. In ausgeschnittenen Buchstaben stand dort: „Geske brennt bald.“ Mit dieser unglaublichen Drohung gingen sie schließlich zur Polizei. Der Staatsschutz ermittelt nun in dem Fall. Doch bis die Täter ermittelt sind, kann es noch Wochen dauern. Manuel und Danny versuchen inzwischen verzweifelt, eine andere Wohnung zu finden. Aber die Lage ist verzwickt. Der Verkäufer und Fremdsprachenkorrespondent sind derzeit arbeitslos.

Schwules Paar: Wir verstehen nicht diesen schrecklichen Hass

„Wenn wir nicht bald Hilfe bekommen, dann eskaliert das hier vermutlich bald richtig. Wir hätten nie gedacht, dass uns in Köln ein solcher Hass ausgerechnet von den Menschen entgegengebracht wird, die hier irgendwann auch einmal unvoreingenommen aufgenommen wurden und ein Zuhause gefunden haben“, befürchtet Danny.

Köln: Oberbürgermeisterin Reker äußert sich

Nach dem EXPRESS-Bericht hat sich nun Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (62) zu Wort gemeldet:

„Hass und Homophobie sind nicht zu rechtfertigen. In Köln haben sie keinen Platz. Köln lebt Vielfalt und Toleranz. Wir können diese Worte mit Leben füllen, wenn wir uns solidarisch mit Manuel und Danny zeigen, die in Weidenpesch immer wieder homophoben Angriffen ausgesetzt sind. Wenn sie sich in Köln nicht mehr sicher fühlen, ist das ein Alarmzeichen für unsere offene und tolerante Gesellschaft. Wo wir Betroffene unterstützen können, werden wir dies tun.“