Nostalgische Zeitreise Der Ur-Imbiss! So schuf Josef Kölns legendärste Grillecke

Historischer Blick auf die Ecke Venloer/Gürtel mit der Strohhut-Bude. Der Turm gehört zum später abgerissenen Ehrenfelder Rathaus. 

Köln – Es gibt Kölner Originale, die sind unsterblich. So der Mann, den man nur „Strohhut“ nannte. Alle liebten sein Eis und seine Reibekuchen. Er machte die Adresse Venloer Straße/Ehrenfeldgürtel zu Kölns bis heute legendärer Imbiss-Ecke.  Deshalb schmeckt einem diese Geschichte!

Josef Schnichels, der „Strohhut“ (1903-1969) – fast nie sah man ihn ohne. 

EXPRESS fand spannende Spuren von Kölns größtem Selfmade-Grillionär, dessen Erbe die prominente Ecke bis heute prägt. Sieht man sein Bild, ist es eindeutig: Der „Strohhut“ hatte den Look und die Eleganz eines Fred Astaire! Aber er war ein Junge aus der Eifel, mit einer bewegenden Geschichte. 

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Um beim Vergleich zu Fred Astaire zu bleiben: Der US-Tänzer und Schauspieler hieß in Wahrheit Frederick Austerlitz, war Kind deutsch-österreichischer Einwanderer und wurde 1899 in Nebraska geboren. Wer „Strohhut“ wirklich war, weiß keiner besser als Marlene Pütz (62). Sie ist die älteste noch lebende Angehörige.

Fred Astaire: Tänzer, Schauspieler, Sänger – der kölsche Strohhut hatte dessen eleganten, lässigen Look

Als EXPRESS sie trifft, holt sie alte Dokumente und Zeitzeugnisse aus einem Karton. In der Hochzeitsurkunde steht „Strohhuts“ Identität geschrieben: Josef Schnichels, geboren am 8. September 1903 in Vussen/Eifel. Mit 13 wurde er zum Waisenkind. Aber er schlug sich durch. Und stieg auf zu einem einer der populärsten Gastronomen.

Die Strohhut-Ecke Venloer Straße/Ehrenfeldgürtel.

In der Stadt geht heute sogar das wilde Gerücht um, der von Kundschaft überrannte „Strohhut“ habe am Ende ein eigenes Flugzeug gehabt.

„Nein, das glaube ich nicht“, lächelt Frau Pütz. Überliefert und bezeugt ist aber: „Strohhut“ hatte ein großes Herz, spendete viel an Waisenhäuser. „Er war sehr zielstrebig, clever und vor allem großzügig“, so Marlene Pütz. 

Marlene Pütz bewahrt die Erinnerungen an Josef Schnichels alias „Strohhut“ bei sich zu Hause auf.

Als 1960 aus Josef Schnichels Imbissbude ein richtiges Gasthaus entstand, gratulierte der damalige Oberbürgermeister Theo Burauen (SPD) ihm und seiner Frau Maria sogar persönlich.

Strohhuts erste Eisbude an der Ecke (30er Jahre), hinten ist der Heliosturm zu sehen.

Aus einem Lebenslauf in Gedichtform, das der Vorstand des Ehrenfelder Bürgervereins bei der Feier vortrug, wird die Biografie von „Strohhut“ klarer: Josef Schnichels arbeitete mit 14 bei einem Bauern, dann an einem Schmelzofen, dann als Maschinenformer im Vulkanwerk.

Im Gedicht geht die Geschichte so weiter: „Nun hatte er, und das war toll, jetzt endlich doch die Nase voll. Er sagte sich, es ist gescheiter, hörst auf, so kommst du doch nicht weiter. Ich fang als Straßenhändler an, dann bin ich doch mein eigner Mann. Er zog so auch die Kunden an sich, das war im Jahre einundzwanzig“.

Eine alte Speisekarte von „Strohhuts Eck“.

Erst habe er im Stadtwald Ballons verkauft (sogar an OB Konrad Adenauer), dann sei er auf die Idee gekommen, einen Eiswagen zu beschaffen – das sollte seine Erfolgsstory werden. Das Lebenslauf-Gedicht besagt: „Und weil sie standen bei ihm Schlange, hat er ne Eisbud angefangen. Heut ist das keine Eisbud mehr, das ist schon 36 Jahre her.“ 

„Strohhuts Eck“  firmierte zwischenzeitlich als Filiale der Kette „Wurstteufel“.

Josef Schnichels starb 1969, seine Frau Maria zwei Jahre später. Das Ehepaar wurde auf Melaten beerdigt. Auf dem Grabstein ist der Strohhut des Gastronomen als Relief verewigt.

Armin Maiwald und Konrad Adenauer

Zu den Gästen, die sich an die alten Zeiten erinnern, gehören Armin Maiwald von der „Sendung mit der Maus“ („als junge Leute sind wir oft hin gefahren, unter anderem wegen der Currywurst“ ) und auch Konrad Adenauer, Präsident des Haus- und Grundbesitzervereins: „Strohhut war früher neben dem Burghähnchen auf der Luxemburger Straße der einzige Laden, in dem es Pommes Frittes  gab – das war damals nicht so verbreitet, wie heute. Ich habe das auch paarmal genossen.“

Das Grab von Josef und Maria Schnichels auf Melaten.

An der Stelle des Lokals entstand ca. 1975 eine der ersten McDonald’s-Filialen Kölns. Nebenan wurde der „Strohhut“-Imbiss weiter betrieben und zuletzt von der Kette „Wurstteufel“ übernommen und saniert. In der Neonreklame ist ein „Strohhut“ bis heute verewigt,

(exfo)