Düsseldorf: Angehörige rasten nach Urteilen gegen Volksgarten-Vergewaltiger aus

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Düsseldorf -

Sie hatten offenbar mit der Gnade des Gerichts gerechnet. Doch da hatten sich die Täter der Gruppenvergewaltigung vom Volksgarten (hier lesen Sie mehr) und ihre Angehörigen gehörig geschnitten.

Für die brutale Sex-Attacke im November 2019 bekamen die vier jungen Männer zwischen 19 und 34 Jahren satte Haftstrafen. Zwischen drei Jahren und sechs Monaten sowie acht Jahren Knast für den Haupttäter.

Düsseldorf: Täter lauerten ihrem Opfer an der S-Bahn auf und zerrten sie in den Volksgarten

Nach dem Urteil am Donnertag (16. Juli) gab es einen Tumult bei den Angehörigen. Eine Mutter brach in Tränen aus und ein junge Frau schrie wie wild und kickte einen Papierkorb durch die Gegend. Deshalb mussten Wachtmeister einschreiten.

Ungewöhnlich: Mit diesem Urteil blieben die Richter sogar über den von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafen für eine abscheuliche Tat, die ganz Düsseldorf erschütterte.

So wurde eine 22-Jährige im November von vier Männern an der S-Bahnhaltestelle angesprochen und in den Park gezerrt. Dort zerrissen sie die Bekleidung der jungen Frau und die drei älteren Täter vergewaltigten sie nacheinander – mehrfach. Einer filmte die brutale Tat auch noch.

Düsseldorf: Täter versuchte die Vergewaltigung vor Gericht runterzuspielen

Auf den undeutlichen Aufnahmen ist zu hören, wie das hilflose Opfer wimmert. Als es dem 19-Jährige zu viel wurde, alarmierte er Passanten. Er sprach davon, dass in den Büschen eine Frau belästigt würde. Seinen eigenen Tatbeitrag verschwieg er. Weil sich Polizeibeamte in der Nähe des Tatortes befanden, trafen sie ein, als noch einer der Männer das Opfer weiter bedrängte.

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Im Vorfeld des Prozesses hatten sich die vier jungen Männer gegenseitig beschuldigt und ihren eigenen Beitrag an der Vergewaltigung runtergespielt. Um sich in ein gutes Licht zu stellen, erwähnte einer der Angeklagten, dass er immerhin von der Stadt mal ausgezeichnet wurde. Wegen Zivilcourage. Er hatte vor einigen Jahren einen Handtaschendieb aufgehalten.

Düsseldorf: Verteidigung hatte sogar Bewährungstrafen und einen Freispruch gefordert

Was dann folgte, war der vergebliche und auch schändliche Versuch, das Opfer in ein schlechtes Licht zu rücken. Denn die junge Frau hatte bei ihrer Aussage gegenüber einer Medizinerin zugegeben, dass sie an diesem Abend noch mit einem Mann geschlafen hatte. Das spielte aber für die Richter dann doch keine Rolle.

Nach der Verkündung kündigte die Verteidiger Revision gegen das Urteil an. Sie hatten stattdessen milde Haft- sogar Bewährungsstrafen und einen Freispruch gefordert. Der gesamte Prozess wurde übrigens unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch geführt, weil einer der Täter mit 19 Jahren als Heranwachsender gilt und deshalb geschützt werden sollte.